Waldviertler Glas: Wunderwerke aus der Natur im Kristallium
Ganz oben im Waldviertel: Von Glasmachern und Glashütten
Den allerfreundlichsten Wintertag haben wir uns diesmal zwar nicht ausgesucht auf unserer Fahrt nach Hirschenwies ins Waldviertel, aber dafür haben wir einmal mehr ein hundefreundliches NÖ-CARD Ausflugsziel am Radar. Vorbei geht es am (offenbar vollbesetzten) Kurhaus von Moorbad Harbach und schon parken wir uns ein: Vor dem Kristallium. Wir sind mal wieder mit dem Vierbeiner auf Ausflugstour und “hier oben” werden wir zwar mit Schneeregen, aber dafür kristallklarer, frischer Luft begrüßt. Kristallklar – was sonst.
Willkommen im Kristallium!
Wir betreten das moderne Gebäude, an das übrigens auch noch ein Café und eine Pension angeschlossen sind und stehen mitten in einer glitzernden Erlebniswelt. Zunächst erhalten wir an der Kassa einen Jeton. Mit dem dürfen wir im ersten Stock auf den Beginn unserer Führung warten und durchs Drehkreuz in die Glaswelt eintreten. Sogar jetzt im Winter findet nämlich viermal am Tag eine Führung statt – und sie startet mit der herzlichen Begrüßung des Chefs himself.
Seit über 300 (!) Jahren stellt die Familie Weber bereits Glas her und seit 100 Jahren arbeitet man an diesem Standort in Hirschenwies an Gravur und Schliff von Kristall- und Bleikristallglas. Zudem entstehen hier viele kunstvolle Geschenke aus Glas.
Eigentlich braucht´s gar nicht viel, um Glas zu erzeugen: Die richtige Mischung an Kalk, Soda, Quarzsand und Pottasche und schon ist man dabei. Klingt so einfach, ist aber ein kunstvolles Handwerk und das seit 658 v. Chr. Von dieser Zeit datiert nämlich das erste, uns bekannte “Rezept” zum Glasmachen – aus Assyrien. “Es ist ein unendlich Kreuz, Glas zu machen” - so lautet eine Überlieferung. Nach Venedig kam die Glasmacherkunst “erst” im 12. Jahrhundert, auch dort auf Murano waren wir schon mit Vierbeiner unterwegs.
Der übrigens ist sogar während der Begrüßung durch den Chef und danach bei unserem Rundgang durch die Ausstellungsräume brav, wahrscheinlich ist er in Gedanken schon beim Schnee-Spaziergang in der Kühle des Waldviertels unterwegs.

Herrlichkeiten aus Kristall und Bleikristall
Wir bewundern historische Gegenstände wie etwa einen Glasgravurapparat aus 1837 oder einen mundgeblasenen Trinkkelch aus dem 18. Jahrhundert – schon damals fabriziert im Waldviertel. Auch wie und wann das beliebte Butzenglas erstmals in die Fensterscheiben kam, erfahren wir im Kristallium.
Wie in einer Glashütte gearbeitet wird, wie niedrig früher die Lebenserwartung eines Glasmachers war und dass jeder ein Recht auf mehrere Krügeln Bier (5-8) pro Arbeitstag hatte – es war eine harte und ungesunde Arbeit damals. In einer Glashütte hatte es durchgehend mehr als 40 Grad, das anstrengende Glasblasen und der Alkoholgenuss taten das Ihrige dazu.
Wir schmökern uns durch die schönen Ausstellungs-Infotafeln. Unser Vierbeiner liegt dabei ungeduldig, aber meist ruhig mitten im Weg: Gut, dass wir heute die einzigen Gäste bei der Führung sind...

Erwin Weber erzählt uns persönlich ein wenig aus der Familiengeschichte und wir werfen einen Blick in seine Arbeitstätte: Da warten bereits mehrere von ihm gefertigte Kunstwerke – Auszeichnungen aus Glas für den Sportler des Jahres, für den Elīna Garanča Zukunftsstimmenpreis oder Geschenke zu runden Geburtstagen oder Jubiläen.
In der österreichischen Sport-, und Kulturbranche sowie bei festlichen politischen Ereignissen greift man gerne auf die Handwerkskunst der Webers aus Hirschenwies zurück, erfahren wir. Und für Familiengeschenke gibts auch die eine oder andere Anregung. Sogar Queen Elizabeth II. war im Besitz einer Bleikristall-Vase aus den kunstfertigen Händen der Familie Weber. Später, als wir in Zwettl im Gasthaus einkehren, stoßen wir am Stammtisch ebenfalls auf ein Glaswerk der Webers – jetzt wissen wir, wo es herkommt ...
Was gibt es sonst noch zu erleben im Kristallium?
Wir horchen an Glaswänden, um Musik schwingen zu hören und begeben uns in die Virtual Reality einer Glashütte, wo Glas geblasen wird. Wir ertasten den Unterschied zwischen Plastik, Kristall und Bleikristall und schwelgen in Erinnerungen: Ja, jeder von uns hatte eine Großmutter, die einst stolz war auf ihre fein geschliffenen Gläser und die Obstschalen aus Bleikristall.
Am Schluss des Rundgangs dürfen wir uns selbst an einer Glasgravur versuchen. Beim Eingang haben wir um 3,50 € ein Plättchen erstanden, das wir jetzt gravieren können. Die Maschine wartet auf uns und wir tun unser Bestes, um wenigstens ein paar nette Verzierungen hinzubekommen. Da ist aber schon der Chef an unserer Seite und erklärt, wie man schönere und dreidimensionale Gravuren schafft. So eine feine Arbeit – wenn man es richtig kann.


Wir bummeln noch ein wenig durch das riesige Verkaufslokal, wobei wir immer ein Auge auf den in Vorfreude wedelnden Hund haben: Glas und fröhliche Hunde, eine gefährliche Kombination.
Aber wir sind zufrieden, wieder ein lohnendes, hundefreundliches Ausflugsziel mit der Niederösterreich-CARD gefunden haben. Nach einem kleinen Souvenir-Kauf gehts dann weiter – ganz im Sinne des Vierbeiners: Wir haben den Xundwärts-Parcours gegenüber des Kristallium im Wald ganz für uns alleine und genießen dort einen kleinen Spaziergang. Und für den braven Herrn Hund, der jetzt alles über die Glasmacherkunst im Waldviertel weiß, ist ein fröhlicher Schnee-Wälzer auch noch drin.
Unser Fazit
Ein lohnendes Ausflugsziel in einer erfrischenden Gegend ganz oben im Waldviertel. Noch mehr lohnt es sich, wenn man gleich ein ganzes Wochenende hier verbringt: Ein Spaziergang am Xundwärts-Fitness Parcours, eine Wanderung auf den Nebelstein oder noch mehr Ausflugsziele mit der NÖ-CARD bieten sich an. Zur Ausflugs-Hochsaison sind sicher viel mehr Besucher bei der Führung dabei, da kann es schon mal eng werden mit Vierbeiner. Wunderbar, dass so ein interessantes Ausflugsziel auch im Winter geöffnet hat!
Parken
Direkt beim Ausflugsziel
Einkehren
Das Kristallium bietet auch ein Café mit schönem Wintergarten und eine angeschlossene Pension.
Ersparnis mit der NÖ-CARD
Wir haben uns zu zweit 14 Euro beim Besuch des Kristallium mit der Niederösterreich-CARD erspart.
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