Carnuntum mit HUND: Ausflugstipp in die Römerstadt an den Donaulimes

Dort, wo wir heute gemütlich mit dem Hund (oder sogar mit unseren Hundefreundinnen) durch eines der beliebtesten Ausflugsziele Niederösterreichs dahinschlendern, dort befand sich im ersten Jahrhundert n. Chr. eine der wichtigsten Städte der Provinz Pannonien: Das römische Carnuntum. Ein Militärlager für 6.000 Mann, dazu ein Handelszentrum und irgendwann war es eine riesige Hauptstadt mit allem, was zu einer Stadt dazugehört – auf 10km². 

Eine Besucherin kniet mit zwei schwarzen Hunden auf einer Wiese vor rekonstruierten römischen Gebäuden in der Römerstadt Carnuntum. Die historische Anlage ist an einem sonnigen Tag unter blauem Himmel zu sehen.

Carnuntum liegt östlich von Wien und ist mit Auto und Bahn gut erreichbar. Was die Ausgrabungsstätte von anderen archäologischen Locations unterscheidet? Hier klettert man nicht über fade Ausgrabungen und schaut auf Mauerreste in der Tiefe. Hier geht man durch rekonstruierte Häuser, betritt eine echte römische Therme und wandelt auf den Spuren der damaligen Bewohner. Dazu kommen ein riesiges Freigelände mit Amphitheater und ein Museum in Bad Deutsch Altenburg. Der Vierbeiner darf fast überall mit dabei sein bei diesem für die ganze Familie wirklich spannenden Ausflugsziel.

Modernes Besucherzentrum der Römerstadt Carnuntum mit großem Schriftzug „Carnuntum“. Das Gebäude verbindet zeitgenössische Architektur mit der historischen Ausgrabungsstätte.
Blick auf rekonstruierte römische Wohnhäuser, Innenhöfe und Gärten in der Römerstadt Carnuntum. Die historischen Gebäude vermitteln einen Eindruck vom Leben in einer römischen Stadt.

Wie es früher hier war

Um 200 n.Chr. war Carnuntum die bedeutendste Stadt der Region und die Donau war die Grenze zu den Germanen – der Donaulimes – und vor allem eine Handelsstraße auf dem Wasser. Als die Hunnen einfielen, war es aus mit dem florierenden Carnuntum und im Mittelalter wurden die Steine der römischen Häuser nach Wien geschleppt, um sie dort zu verwenden. Was heute noch nicht ausgegraben ist vom echten Carnuntum? 99,5 Prozent liegen noch verdeckt, was für eine Vorstellung!

Der wichtigste Bereich bei unserem Besuch ist das Römische Stadtviertel (dort darf man nur mit Ticket oder NÖ-CARD rein). Genau dort, wo vor 1.700 Jahren die Gebäude standen, genau dort wurden sie rekonstruiert und wir können sie heute besuchen. Ja, auch der Vierbeiner darf in die Häuser rein.

Das Gelände betritt man durch das moderne Gebäude beim Hauptparkplatz mit Kasse, Shop und wirklich entzückenden Souvenirs, bei denen ich stets gleich zuschlage. Der Rundgang startet hier und führt zunächst durch eine Multimedia-Ausstellung zu einem maßstabsgetreuen Stadtmodell von Carnuntum im 2. Jahrhundert n.Chr. 

Beim Rundgang nicht vergessen: Nur ein halbes Prozent ist bereist ausgegraben! Was da noch alles zum Vorschein kommen mag?

Informationstafel mit Übersichtsplan des römischen Stadtviertels in der Römerstadt Carnuntum. Im Hintergrund sind historische Gebäude und die weitläufige Anlage der Ausgrabungsstätte zu sehen.

Welche Häuser darf man betreten?

Wir spazieren mit dem (zunächst nur mäßig interessierten Vierbeiner) durch das gepflegte Haus des Tuchhändlers Lucius, eine echte Stadtvilla mit allem Drum und Dran. Danach treten wir ehrfürchtig ins Haus eines Ölhändlers der damaligen Zeit: Mit Amphoren und einem echten Geschäftsraum mit Theke zur Straße, denn Öl und Wein waren begehrte Güter. 

Dann marschieren wir mit unserer vierbeinigen Begleitung (wir sind dort aber nicht die einzigen mit Hund unterwegs) in ein weiteres Stadtpalais, in die Villa Urbana mit Säulen, einem Speisesaal, tollen Wandmalereien und einem Innenhof. Was mich jedes Mal ganz besonders fasziniert: Die Römische Therme – sie funktioniert immer noch und wird mit Holz angeheizt – für uns Besucher fast alles zum Angreifen: Alles da, erst Treffpunkt, dann Frigidarium, Tepidarium und Caldarium. Im Versammlungsraum der Badeanlage können wir auf verschiedenen Sitzgelegenheiten rasten und uns wie im Alten Rom fühlen – mit Hund! Und schon damals hatte man als reicher Bürger eine Fußbodenheizung! Hund Coffee hat´s nicht so mit der Wärme von unten, so ein Gemeinschaftsklo von anno dazumals interessiert ihn – pardon – da schon mehr. Es ist wirklich ein sehr spezielles Erlebnis, durch solch authente Räume der „alten Römer“ durchspazieren zu dürfen. In der Domus Quarta (Haus IV) liegt ein am Originalstandort erhaltenes Fußbodenmosaik. Wahrscheinlich war dieser Raum einst ein Speisesaal, das Mosaik wurde restauriert und neu verlegt.

Zwischen den Häusern marschieren wir in der wunderbar gepflegten Anlage im Grünen und im schattigen Wandelgang (ehemals eine Geschäftszeile) einher, da gibt es genug zum Schauen und zum Schnüffeln erst recht.

Blick in die rekonstruierte römische Therme der Römerstadt Carnuntum. Der historische Raum mit Rundbogenfenster und den Überresten der antiken Badeanlage vermittelt einen Eindruck der römischen Badekultur.
Ein Besucher liegt auf einer rekonstruierten römischen Liege in einem historisch eingerichteten Raum der Römerstadt Carnuntum. Ein schwarzer Hund steht davor und erkundet den Raum.
Rekonstruierter Wohnraum in der Römerstadt Carnuntum mit römischen Liegen, großen Rundbogenfenstern und farbig gestalteten Wandmalereien. Die Einrichtung vermittelt einen Eindruck vom Wohnen in der Antike.

Hunde vor: Raus zu Heidentor und Amphitheater

Unser Vierbeiner blüht aber dann doch noch auf: Es geht ins Freie und zwar zum Heldentor und den Amphitheatern, diese Areale sind jederzeit ohne Ticket zugänglich – man kann also auch auf einen Hundespaziergang „nur so“ vorbeikommen und auf römischen Spuren wandeln. 

Das Heidentor ist das größte römische Baudenkmal in Österreich und selbst auch Teil des UNESCO Welterbe Donaulimes. Der Spaziergang dorthin ist richtig entspannend – aber es kann auch schnell heiß werden, wenn die Sonne rauskommt. Auf dem mächtigen Sockel stand früher wahrscheinlich einmal eine überlebensgroße Kaiserstatue, heute dient er uns als Fotolocation. 

Das Amphitheater der großen Zivilstadt (mit in den besten Zeiten über 50.000 Menschen), die sich mit der Zeit hier zusätzlich zum Militärlager entwickelte, war das Unterhaltungszentrum Carnuntums. Ins Amphitheater passten übrigens 13.000 Menschen – auf den Rängen saß man in vier Meter Höhe. Es gab Boxen für Ehrengäste, Platztafeln und dahinter die unvermeidlichen Tierzwinger für die Tierhetzen und ein Spoliarium, wohin die Verletzten nach den Gladiatorenspielen gebracht wurden. Interessant fand ich, dass das Amphitheater schon 1893 (!) restauriert wurde.

Wir marschieren superentspannt mit dem Hund hindurch und sind froh, dass Tierhetzen schon lange Geschichte sind. Auch interessant: Daneben lag die Gladiatorenschule (Fans gab es schon damals!), die man 2011 durch Bodenradar entdeckt hat.  

Das zweite, kleinere Amphitheater war bei unserem Besuch nicht zugänglich, es diente einst als Exerzierplatz für das Militär und wird langfristig saniert.

Zwei Golden Retriever sitzen vor den Überresten des römischen Amphitheaters in der Römerstadt Carnuntum. Die historische Arena ist von Bäumen umgeben und liegt unter einem klaren blauen Himmel.
Ein schwarzer Hund steht vor dem Heidentor in Carnuntum. Das markante römische Monument aus Stein und Ziegeln ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der antiken Ausgrabungsstätte.

Die riesige Anlage und eine App in die Vergangenheit

Das Gelände zwischen den verschiedenen Standorten ist riesig, mit unternehmungslustigen Hunden ein super lohnender Tagesausflug, auf dem man aber auch mal die eine oder andere Pause einlegen muss. Vierbeiner dürfen im Römischen an der Leine überall mit dabei sein, im Freigelände sowieso. Nur im archäologischen Museum Carnuntinum in Bad Deutsch Altenburg sind Hunde verboten, dafür gibt es dort einen schönen Kurpark zum Flanieren an der Donau.

Mit der Carnuntum App kann man noch einiges mehr sichtbar machen, was auf den ersten Blick nicht vorhanden ist – nämlich alles, was noch unter der Erde liegt und noch nicht ausgegraben ist. Mit Augmented Reality erlebt man so zum Greifen nahe, was etwa auf einer (heute leeren Wiese) vor 1.700 Jahren gestanden ist.

Unser Fazit: 

Carnuntum ist kein Museum, sondern ein Erlebnis, für das man sich Zeit nehmen sollte! Hier erlebt man die alten Römer hautnah – wie sie wohnten, lebten und ihre Freizeit gestalteten! Dass Hunde hier mitdürfen, ist ein wunderbares Angebot, das uns den Ausflug nochmal schmackhafter gemacht hat. Wir waren sogar schon mal mit einer Hundegruppe dort vorort! Außerdem: Wer einmal eine Führung mitgemacht hat, versteht alles noch viel besser – die Geschichte wird superspannend aufbereitet und erklärt. Eine kulinarische Pause kann man im Forum Culinarium einlegen – besonders fein auf der großen Terrasse mit Ausblick. Unbedingt die App runterladen und unterwegs immer wieder mehrdimensional damit in die Vergangenheit reisen! Dazu gibt es eine Online-Ausstellung, die noch gänzlich unbekannte Einblicke gibt in die Entstehung dieses Ausflugsziels nach 1945 – mit alten Filmaufnahmen!

Was mich auch überzeugt: Die Römerstadt Carnuntum ist mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Nachhaltigkeit zertifiziert!

Noch mehr Tipps:

  • Parken: Genügend Parkplätze gratis vorhanden
  • Von der S-Bahn Station (Bahnhof Petronell Carnuntum) geht man etwas 10 Minuten bis zur Römerstadt. Von Mai bis September fährt ein Shuttle auf der Strecke und auch zum Carnuntinum.
  • Direkt am Ausflugsziel gibt es Stellplätze für Camper (kostenpflichtig)
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Autor/in

Angelika

Angelika Mandler-Saul ist als Reisebloggerin fast das ganze Jahr über unterwegs, um über Reisen mit Kultur, Urlaub mit Hund oder interessante Ausflugsziele zu berichten. Auf ihrem Blog berichtet die Weinviertlerin seit 2013 regelmäßig von ihren Erlebnissen beim Reisen in aller Welt. Am allerliebsten ist Angelika allerdings mit Hund Coffee in Österreich on tour - beim Camping, Wandern oder Erkunden unbekannter „Geheimplatzerln“.