Frühlingsausflug: Ein Stadtspaziergang durch Eggenburg
Ein österlicher Frühlingsausflug ins Waldviertel – da muss man auf Wetterkapriolen gefasst sein. Bei unserem geführten Stadtspaziergang durch Eggenburg, eine der „Stadtmauerstädte Niederösterreichs“, war von Regen über Sturm, vereinzelten Sonnenstrahlen, Wolken, blauem Himmeln und (meinem) Frösteln wettertechnisch wirklich alles dabei. Eggenburg liegt im Bezirk Horn und gehört zum Waldviertel – aber nur haarscharf, denn man sieht quasi von dort rüber ins benachbarte Weinviertel.
Freundlich empfangen wurden wir – samt unserem (historisch nur bedingt interessiertem Vierbeiner) von Frau Renate beim Pröckl Haus mitten in Eggenburg. Es war gerade Markttag und auch die schön geschmückte Osterkrone thronte am Platz beim Pranger. Etwa eineinhalb Stunden Zeit sollte man mitbringen, wenn man den Ausführungen der Eggenburg-Guides in ihren mitteralterlich angehauchten Kostümen auf einer Stadttour lauschen möchte. Die Runde führte uns auch zum Glacis und dem ehemaligen Stadtgraben, dort liegen einige Grünflächen als kleine Motivation für die Hunde. Die Besteigung der Stadtmauern wird für Fellnasen aber eher nicht machbar sein: Die Stufen und Stege sind aus Metallgitter und das schaffen nur wenige Vierbeiner. Hingegen das Tor durch die Stadtmauer mit der Drehtür, die ist durchaus für alle gemeinsam machbar.

Vom Pröckl-Haus über den Hauptplatz zur Klosterkirche
Gleich beim markanten Pröckl-Haus bestaunen wir zu allererst das sogenannte „Gemalte Haus“, das Sgraffitohaus gegenüber, das auch ein Café beherbergt. Wer genauer hinsieht und es von Frau Renate erklärt bekommt, erkennt an der Renaissancefassade viele theologische Thematiken. Der weite Hauptplatz ist fünfeckig und spiegelt die Bedeutung und den Reichtum der Stadt im Mittelalter wider. Die schönen Häuserfronten der Bürgerhäuser stammen aus der Renaissance, einige haben „tierische Details“ auf den barockisierten Fassaden. Der Pranger in der Mitte zeugt von einer brutalen Mittelaltermethode, die uns Frau Renate mit einigen Beispielen aus der Stadtgeschichte näher erklärt. Die Zeiten sind aber vorbei!
Durch die Bürgerspitalgasse geht es zur Klosterkirche, die – so wie fast alle Häuser 1808 dem großen Stadtbrand zum Opfer fiel. Sie wurde von den Redemptoristen wieder aufgebaut. Durch das Egentor geht es zum letzten verbliebenen Stadtteich Eggenburgs – zehn waren es früher und auch sie dienten so wie Glacis und Stadtmauer der Verteidigung. Denn Eggenburg war im Mittelalter höchst begehrt: Die hiesigen Steinmetzmeister, der Sandstein, Salzlagerrechte als auch die Lage am verkehrsgünstigen Knotenpunkt (mit Wegezoll) hatten Eggenburg wohlhabend gemacht. Zudem war die Stadt eine Doppelpfarre.
Der ungarische König Matthias Corvinus eroberte (nach Retz) aber auch Eggenburg: Er wartete, bis die Teiche zugefroren waren und schlug dann zu. Wir spazieren mit der Gruppe entlang des Wahrsagerturms (wer genau hinsieht, sieht den angebauten Abort) zum Obelisken und dem Kanzlerturm. Währenddessen hat unser Vierbeiner ein wenig Zeit zum Schnofeln, denn es geht schön durchs Grüne am Stadtmauernrundweg.



Auf den Zinnen über der Stadt
Der Kanzlerturm ist das Herzstück der Führung, wie ich meine. Hund Coffee wartet unten im Gras, denn die Metallgitter sind wederfür seine Pfoten, noch für seine betagte Hüfte geeignet. Von oben haben wir einen schönen Ausblick zur Kloster- und zur Stephanskirche, auf das Glacis und zur Mühle hinab. Die Wiese unterhalb des Kanzlerturms ist beliebter Veranstaltungsort für das Mittelalterfest, die Sonnwendfeier oder das sommerliche Mondscheinkino im Freien.
Durch die Judengasse geht es am Rückweg zur Pfarrkirche, einer der größten Niederösterreichs nördlich der Donau. Zwei wuchtige Türme, Giebelfiguren und der unterirdische Karner – hier lohnt es sich, extra Zeit für danach einzuplanen, wer auch die Kirche besichtigen will. Drinnen empfängt einen ein Werk des Künstlers Ernst Degasperi, dem italienischen Wahl-Eggenburger. Zum 700-Jahr-Jubiläum schenkte er der Stadt das Sgraffito im „Türndl“, einem Mauerturm, an dem wir auch lange stehen bleiben, weil Frau Renate viel dazu weiß.
Weinviertler wie wir kennen das Schloss Harmannsdorf, nur etwa acht Kilometer entfernt: Dort lebte Bertha von Suttner, die regelmäßig nach Eggenburg kam. Warum? Sie besuchte hier ihre „Tante Lotti“ und deren Haus liegt am Hauptplatz. Es ist dasselbe, das zuvor von einem der bekanntesten Steinmetzmeister der Stadt gehörte.

Unser Fazit:
Die Führung dauerte etwas länger als veranschlagt, was uns gut gefallen hat – weil wir viele interessante Einblicke erhalten haben. Für Kinder wird eher weniger Interessantes dabei sein. Wenn man sich danach noch Zeit nimmt, einen Kaffee zu trinken und in Ruhe am Hauptplatz die Fassaden zu bestaunen, ist der Ausflug sehr gelungen.
Besonders lohnend ist es zudem, die Stadtführung (nach einem Päuschen) noch individuell mit einer Wanderung rund um die Stadtmauer zu ergänzen. Da freut sich dann auch der Vierbeiner, denn es geht beim „Stadtmauerrundweg“ fast immer durchs Grüne – und ein Abstecher zur Schmida ist da sicher auch noch drin. Zum Pfotenabkühlen.

Noch mehr Tipps:
- Parken: Genügend große und offizielle Parkplätze rund um die Stadtmauern vorhanden inkl. WOMO-Stellplatz beim Neuen Tor.
- Eggenburg bietet auch: Mondscheinkino, Music-Nights, Adventzauber, Nachtwächter-Führungen und andere Themenevents, www.eggenburg.at
- Wer mit dem Camper anreist (so wie wir), darf sich auf einen schönen Stellplatz der Gemeinde fast direkt bei der Stadtmauer nahe dem Teich freuen.
- Mit Hund im Waldviertel:
- In der Nähe liegen noch mehrere NÖ-CARD Ausflugsziele, wo Hunde erlaubt sind. So etwa das Krahuletz-Museum, das thematisch wunderbar zur Eggenburger Stadtführung passt: Dort begegnet man einer Milliarde Erdgeschichte im ältesten Museumsgebäude Niederösterreich.
- Auch in der nahen Amethyst-Welt in Maissau dürfen Hunde (mit Leine und Maulkorb) außer am Schatzgräberfeld und im Tier-Erlebniswald überall mit dabei sein.
Mit der Niederösterreich-CARD:
Der geführte Stadtspaziergang findet von Anfang April bis Ende Oktober immer am Samstag statt und es ist keine Anmeldung erforderlich. Einfach pünktlich beim Treffpunkt beim Pröck-Haus (Kremserstraße 1) sein und die NÖ-CARD bereithalten. Hunde dürfen selbstverständlich gratis mitkommen.
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